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oben: Vegetarisch aktiv! Für eine Vegetarismuskampagne der Tierschutzorganisation PETA ließ sich
die überzeugte Vegetarierin Eva Briegel in einem Top aus Wirsingkohl abbilden, hier das Plakatmotiv (Foto:
Cecil Arp für PETA)
Es ist Juli!
Eva Briegel ist Sängerin der erfolgreichen deutschen Band Juli. „Es ist Juli“, das erste Album (2004) der Band mit dem Riesenhit „Perfekte Welle“ verkaufte sich über eine Million Mal. Ende 2006 ist das zweite Album, „Ein neuer Tag“, erschienen und hatte schon anhand der Vorbestellungen Platinstatus (200.000 Stück) erreicht. Neben vielen Auszeichnungen ist der "Bambi" die bisher höchste offizielle Anerkennung. Juli spielt im Jahr mindestens 120 Konzerte, dazu gehörten 2005 das Live-Aid Konzert und in diesem Jahr zum Klimaschutz das Live Earth Konzert in Berlin. Bei diesem Engagement wundert es nicht, dass auch die eigenen Tourneen CO2 neutral organisiert werden. Wir haben die vegetarisch lebende Sängerin interviewt.
Das Interview führte Guido Barth
Wie ich vorhin gehört habe, du bist erkältet.
Ja, ich bin ein bisschen angekratzt.
Aber es heißt doch, wer vegetarisch lebt, der wird nicht krank, oder nur selten?
Das stimmt. Ich bin ja auch nicht krank.
Was machst sie mit deiner Stimme, wenn sie heiser klingt?
Nasendusche, Salbeitee und Salbei-Bonbons. Mmmh, was mach ich noch, alles was mir so in die Finger kommt, aber am Tag des Konzertes kannst du nicht alles nehmen, weil sich bei manchen Sachen ein Film über die Stimmbänder legt. Für den Hals zum Regenerieren ist das gut, aber zum Singen ist das schlecht.
Missionierst du für die vegetarische Lebensweise? Viele empfinden das ja schon so, wenn allein nur über das Thema gesprochen wird?
Nein, das mach ich nicht.
Oft reicht es schon, wenn man sagt: „Ich lebe vegetarisch oder vegan“, dass es dann heißt: Aha, du hältst dich wohl für was Besseres, oder so in der Art.
Da braucht man ja nicht drauf einsteigen, bzw. es traut sich auch keiner, mich da so anzugehen.
Warum nicht?
Weiß ich nicht, ist aber so.
oben: Eva Briegel in Aktion: Die deutsche Musikerin und Sängerin (geboren am 3. Dezember 1978 in
Leonberg) der Band Juli aus Gießen. Nach dem durchschlagenden Erfolg ihrer ersten Single "Perfekte Welle"
und des Albums "Es ist Juli" (bei dem Eva Briegel an der Entstehung von sieben der zwölf Songs aktiv
beteiligt war) hatte sich die Band fest etabliert und gehört heute zu den bekanntesten deutschsprachigen Bands
(Fotos: Fabian Pothe)
Das Büffet für die Crew sieht aus der Ferne ganz üppig aus, sind da für dich extra leckere Sachen dabei?
Da gibt es viele Sachen, z.B. Soja-Würstchen, die werden aber gerade abgetragen; das passiert mir so oft, dass ich nichts mehr kriege, weil ich noch im Interview oder beim Soundscheck bin. Aber jetzt kommt wahrscheinlich doch noch Dinner - richtig warmes Essen.
Werdet ihr von einem Caterer versorgt?
Ja, damit haben wir ganz gute Erfahrung gemacht. Besonders gut war die Rote Gourmet Fraktion; sie sind nicht umsonst die Besten.
Und auf dem Catering Rider, da steht dann für Dich…
… Jonas ist auch Vegetarier. (Jonas Pfetzing, Leadgitarre)
Ist ja klasse - … da stehen dann für Euch beide vegetarische Leckereien drauf.
Ja, so in etwa (lacht), wie gesagt, das klappt ziemlich gut.
Du bist kürzlich von Gießen nach Berlin umgezogen und wohnst jetzt am Prenzlauer Berg. Kaufst du selber ein, wenn du zu Hause bist?
Oft haben wir keine Zeit, aber sonst, klar. Berlin ist da wirklich paradiesisch, ich muss eigentlich gar keinen Finger mehr krümmen, nicht kochen, und trotzdem ist alles da, überall gibt es Falafel und Halloumi-Sandwiches, und es gibt da mehr vegetarische Restaurants als Restaurants, die Fleisch anbieten. Was für mich halt super ist, weil, ich kenne ein paar Köche, und wenn man weiß, was die Köche heimlich noch in die vegetarischen Essen reinbuttern, und schon erst recht, wenn man dann sagt, „Ich bin Vegetarier“, dann hassen sie einen ja total und schmuggeln einem irgendwie Hühnerbrühe unters Essen und Fleisch-Extrakt und so. Und deshalb finde ich das halt gut, wenn man so viele vegetarische Restaurants um die Ecke hat. Oder ich koch halt auch viel. Dann kauf ich selbst ein, es gibt da Tausende kleine Bioläden, und um’s Eck entsteht gerade der größte Biomarkt Europas.
Liest du auch die Etiketten und guckst, was für Inhaltsstoffe drin sind?
Ja, das interessiert mich schon. Ich schau jetzt nicht bei jedem Produkt auf die Inhaltsstoffe. Ich weiß ungefähr, wo was drin ist, ich weiß halt, wo Hühner-Extrakt drin ist, ich weiß, wo Rindfleisch-Extrakt drin ist, eben gerade in den Brühsachen, da guck ich, dass da „ vegetarisch“ oder „rein pflanzlich“ draufsteht.
Wie ist das mit Kälberlab im Käse?
Ja, ich bin mir der Problematik mit dem Kälberlab bewusst, da musst du halt fragen. Es gibt genug Käse mit mikro biellem Lab. Aber ich will auch sagen, meine Motivation, vegetarisch zu essen, ist eigentlich auch nicht die, dass es mich anekelt, das ist bei mir keine fundamentalistische Entscheidung. Ich möchte es natürlich nicht essen, und ich bin auch nicht jemand, der dann sagt: "Hey, komm mal her und mach mal die Brocken aus dem Gulasch raus und den Rest esse ich", sondern ich bin Vegetarierin geworden, weil ich einfach diese Fleischindustrie nicht mehr unterstützen wollte, und ich finde es eine sehr logische Entscheidung, sowohl ökonomisch als auch, was unsere ganze Umwelt angeht. Viele Leute sind ja so, die sagen immer: "Ja, du hast ja recht, ja, hast ja recht, ach, ja, das mit den Tiertransporten, ganz schrecklich, ja, ja und auch diese Hühner…, ja, aber es schmeckt mir halt so gut ..." So jemand wollte ich halt nie sein.
oben: lebt auch vegetarisch: Jonas Pfetzing, Lead-Gitarrist von Eva Briegels Band Juli (Foto: Fabian Pothe)
Das hat bei dir also auch ganz klar einen ethischen Aspekt.
Das hat auch einen ethischen Aspekt. Gott sei Dank, ich bin seit fünfzehn Jahren Vegetarierin, seit ich dreizehn bin, das war lange, bevor ich mir Gedanken um Ethik gemacht habe. Da war ich Teenager, fast noch ein Kind. Ich habe das immer so beibehalten, und ich finde einfach, dass ein Mensch kein Recht hat, Tiere zu essen. Für mich ist es auch so, dass ich dadurch nie ungesund gelebt habe, also nie krank geworden bin. Der Grund, warum man sich nicht vegetarisch ernähren kann, fällt schon mal raus, weil viele ja immer meinen, da bekomme man ja nicht die ganzen Spurenelemente, die Vitamine und das alles, was da auch sonst noch so alles erfunden wird. Ich finde, dass man nicht das Recht hat, für seinen Genuss und für seinen Geschmack – letzten Endes ist es ja nur das – Tiere zu töten, denn es geht ja nicht mal ums Überleben.
Wo verbringst Du Weihnachten?
Ganz traditionell, bei meinen Eltern.
Wird dann extra für Dich gekocht?
Ja, genau. Meine Mutter versucht dann immer etwas zu kochen, was sie noch nicht kennt, weil sie ja vegetarisch kochen nie gelernt hat. Es ist ganz süß von ihr. Ich koche an Weihnachten auch manchmal selber vegetarisch für uns, das habe ich jetzt zweimal gemacht, und das ist ganz gut angekommen.
Es sind noch zwei Stunden bis zum Konzert, wird deine Stimme halten?
Es ist schon eine Belastung, aber es wird gut gehen; ich glaube, ich habe bisher wegen Heiserkeit zwei Konzerte abgesagt.
Du singst dich ja auch noch ein, wie wichtig ist das?
Es braucht eine gewisse Zeit, bis man warm ist, und das wäre ja blöd, wenn die Leute das auf der Bühne mitbekommen würden: „So jetzt ist sie beim dritten Stück langsam warm“, schon alleine deswegen ist es wichtig.
Wann steigt bei dir die Aufregung?
Mmmh, eine halbe Stunde vorher, wenn ich mich umgezogen habe und mich einsinge und merke, so, jetzt geht’s los. Wenn ich dann noch mal gucke, ob alles sitzt, weiß ich auch, jetzt geht es nicht mehr zurück.

Musik-Tipp
"Ein neuer Tag" – das aktuelle Album der deutschen Rockband Juli
Eva, herzlichen Dank für das Gespräch.
© Guido Barth, 2007
