Meatout 2010

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Das unbekannte Leben der Schafe

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Der gesunde Menschenverstand sagt uns bereits, dass Schafe - so wie alle Tiere - komplexe Gefühle haben und imstande sind, bewusst zu denken. Nun haben die Ergebnisse einer neuen Studie, die am Babraham Institute in Großbritannien durchgeführt wurde, diese Fakten noch einmal bestätigt.

Die Studie arbeitete mit Gesichtserkennungs- übungen, um zu beweisen, dass Schafe sich mindestens 50 verschiedene Schafgesichter merken können und sogar die Gesichter von ihnen vertrauten Menschen, und das bis zwei Jahre lang. Die Studie belegt außerdem, dass Schafe Gefühle empfinden und auf ihre Umgebung in vielerlei Hinsicht genauso reagieren wie Menschen.

Für Millionen Menschen weltweit, die bereits zu dem Schluss gekommen sind, dass Schafe, wie alle Tiere, über komplexes Denken und Gefühle verfügen, kommt das kaum überraschend, doch ist die Studie trotzdem ermutigend, denn sie kann dazu beitragen, Menschen zu überzeugen, doch lieber auf einen neuen Wollpulli zu verzichten und stattdessen einen aus tierfreundlichen Materialien zu wählen, in dem kein Tierleid steckt.

Ein Blick hinter die Kulissen der Wollindustrie

Sie kann von einem Schaf, einer Ziege oder einer tibetischen Antilope stammen. Sie mag sich Wolle, Mohair, Pashmina, Shahtoosh oder Cashmere nennen. Aber egal, welchen Namen sie trägt, jede Wolle, die von einem Tier genommen wird, steht für Leiden.

Viele Menschen denken, Schafe zu scheren, würde den Tieren helfen, die sonst unter zuviel Wolle litten. Ohne die Einmischung des Menschen jedoch würden Schafe nur soviel Wolle bekommen, wie sie benötigten, um sich vor extremer Witterung zu schützen. Das Vlies schützt wirksam, weil es sowohl gegen Hitze wie Kälte isoliert. Wolle wurde einst gewonnen, indem man es Schafen in der Zeit der Mauser, also des natürlichen Fellwechsels auszupfte. Das Züchten zum Erzielen eines ständigen Vlieswachstums began nach Erfindung der Schermesser.(1)

Der Tod "Down Under"

Mit seinen mehr als 100 Millionen Schafen produziert Australien 30 Prozent des gesamten Wollaufkommens weltweit.(2) Die Herden bestehen gewöhnlich aus Tausenden von Schafen, was es faktisch unmöglich macht, einem Tier individuelle Aufmerksamkeit zu schenken oder den Bedürfnissen eines Einzelnen nachzukommen.

Die verbreitetste Rasse in Australien sind die Merinos, die speziell so gezüchtet wurden, dass sie faltige Haut haben, was noch mehr Wolle pro Tier bedeutet. Dieses unnatürliche Übermaß an Wolle führt dazu, dass Tiere während der heißen Monate an Überhitzung sterben, und in den Falten sammeln sich außerdem Urin und Feuchtigkeit. Von der Feuchtigkeit angezogen legen Fliegen ihre Eier in den Hautfalten ab, und die ausgeschlüpften Larven können die Schafe bei lebendigem Leibe auffressen. Um nun einen solchen "Fliegenbefall" zu verhindern, nehmen die australischen Farmer eine barbarische Operation an den Schafen vor-mulesing. Dabei werden den Lämmern bei vollem Bewusstsein und ohne Betäubung riesige Fleischstreifen hinten von den Beinen und im Bereich des Schwanzes weggeschnitten. Man will so eine glatte, vernarbte Fläche erhalten, auf der sich keine Fliegen ansiedeln und Eier ablegen, jedoch werden die offenen blutigen Wunden oft noch vor dem Abheilen von Fliegen befallen.

Wenige Wochen nach ihrer Geburt werden den Lämmern die Ohren durchlöchert, die Schwänze abgeschnitten, und die männlichen Tiere werden kastriert - alles ohne Narkose. Die Kastration der männlichen Lämmer erfolgt in der 2. bis 8. Lebenswoche. Dazu wird ein Gummiring benutzt, der die Blutzufuhr abschneidet -eine der schmerzhaftesten Methoden der Kastration, die es überhaupt gibt.(4) Alljährlich sterben Hunderte von Lämmern an den Folgen der Witterung oder verhungern, bevor sie 8 Wochen alt sind. Und Jahr für Jahr sterben ausgewachsene Schafe an Krankheiten, fehlenden Unterständen und Vernachlässigung.(5) In Anbetracht all dieser Todesfälle und Krankheiten müsste der logische Schluss lauten, die Zahl der Schafe auf ein Maß zu reduzieren, das es ermöglicht, die Tiere anständig zu halten. Stattdessen werden die Schafe so gezüchtet, dass sie noch mehr Lämmer bekommen, um die toten zu kompensieren.

Scheren - die reinste Tortur

Die Schafe werden in jedem Frühjahr geschoren, nachdem sie die Lämmer bekommen haben, also gerade zu der Zeit, wo sie normalerweise ihr Winterfell abwerfen würden. Das richtige Timing ist hier entscheidend: Schert man zu spät, verliert man Wolle. In dieser Eile sterben viele Schafe an der Witterung, weil sie zu früh geschoren wurden.

Die Scherer werden gewöhnlich nach Menge bezahlt, nicht nach Stunden. Daher sind sie motiviert, so schnell wie möglich zu arbeiten, ohne Rücksicht auf die Schafe. Ein Augenzeuge meint dazu: "[D]ie Scherhalle muss wohl einer der schlimmsten Orte für Tierquälerei sein.? Ich habe Scherer gesehen, die die Schafe solange mit ihren Schermessern oder Fäusten geschlagen haben, bis sie aus der Nase bluteten. Ich habe Schafe gesehen, denen man das halbe Gesicht mit weg geschoren hatte.?"(6)

Lebendexport

Werden die Schafe älter und ihre Wollproduktion lässt nach, werden sie zum Schlachten verkauft. Dies führt alljährlich zum grausamen Lebendexport von 6,5 Millionen Schafen aus Australien in den Nahen Osten und nach Nordafrika, und annähernd 800.000 Schafe werden aus Großbritannien zur Schlachtung ins Ausland exportiert.(7,8)

In Europa werden eng zusammengepackte Tiere langen Transporten ausgesetzt, manchmal 50 Stunden lang, ohne Futter oder Wasser. Der Bestimmungsort ist häufig ein Land mit geringen Auflagen für das Schlachten, und so erlangen viele Tiere wieder ihr Bewusstsein, wenn sie bereits zerlegt werden.(9) 2001 konnte das Europäische Parlament von Tierschützern überzeugt werden, eine Vorlage anzunehmen, die nur noch Lebendtransporte von maximal acht Stunden zulässt, der erste Schritt in Richtung gesetzliche Regelung.(10)

In Australien legen Schafe riesige Entfernungen über Land zurück, bis sie die Sammelstellen erreichen, von denen aus sie auf Schiffe verladen werden. Viele Schafe - gestresst, krank oder vom Transport verletzt - sterben unter den beengten Bedingungen, den Krankheiten und dem ungewohnten Futter noch an den Sammelstellen.

Die überlebenden Schafe werden dicht an dicht auf Schiffe verladen. Jüngere Tiere oder Babies, die unterwegs geboren wurden, werden häufig zu Tode getrampelt. Die Sterblichkeitsrate an Bord liegt bei bis zu 10 Prozent, und für jedes Schaf, das stirbt, stehen zahlreiche weitere, die krank werden oder sich verletzen. So starben einem Bericht zufolge beispielsweise 14.500 Schafe an Hitzschlag, als sie 2002 auf dem Weg in den Nahen Osten waren. Ihre Leichen wurden einfach über Bord geworfen.(11)

In moslemischen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens ist die rituelle Schlachtung von humanen Schlachtverordnungen ausgenommen. Manche Schafe werden en masse auf Plätzen geschlachtet, andere erst nach Hause gekarrt, oft im Kofferraum eines PKWs, und einfach vom Käufer geschlachtet.

Shahtoosh und andere Wollarten
Shahtoosh, die zur Fertigung "modischer" Schals benutzt wird, stammt von der gefährdeten tibetischen Antilope oder Chiru. Chiru können nicht domestiziert werden. Sie müssen also getötet werden, damit man an ihre Wolle kommt. Obwohl es seit 1975 illegal war, sie zu verkaufen oder zu besitzen, boomte der Schwarzmarkthandel mit Shahtoosh während der gesamten 1990er Jahre, und die Schals verkauften sich pro Stück für sage und schreibe $15.000, während die Population der tibetischen Antilope auf weniger als 75.000 schwand.(12,13)

Eine Razzia bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung 1994 in New York durch den U.S. Fish and Wildlife Service führte zur Vorladung von Supermodels und Salonlöwen, die die Schals kauften, sowie die ersten Strafverfahren für den Verkauf dieses "Stoffes".(14) Im April 2000 verfolgten britische Behörden eine Handelsfirma aus London strafrechtlich wegen des illegalen Besitzes von 138 Schals-was 1.000 Antilopenhäuten entspricht.(15) Trotz des Verbotes von Shahtoosh in Indien versorgt noch immer ein florierender Schwarzmarkt Kunden in London, New York und Los Angeles, die $17.000 für einen Schal bezahlen.(16) 20.000 Chiru werden Jahr für Jahr wegen ihrer Wolle getötet, und bei diesem Tempo wird die Spezies bis 2011 ausgerottet sein, wenn nichts unternommen wird.(17)

Cashmere kommt von Cashmere-Ziegen. Diejenigen mit "Mängeln" in ihrem Fell werden gewöhnlich getötet, bevor sie 2 Jahre alt sind.(18) Experten der Industrie raten Farmern, mit der Tötung von 50 bis 80 Prozent der Jungziegen zu rechnen, deren Felle nicht den Anforderungen entsprechen. (19) Entgegen dem, was Verbraucher glauben, ist "shearling" nicht geschorene Wolle. Der Begriff bezieht sich vielmehr auf das Schaf. Ein "Shearling" ist ein einjähriges Schaf, das nur einmal geschoren wurde. Shearling Kleidung ist also gemacht von einem Schaf oder Lamm, unmittelbar bevor es geschlachtet wurde; die Haut wird gefärbt noch mit der Wolle daran.

Angora-Kaninchen werden auf ein Brett gespannt, um sie zu scheren, wobei sie wild um sich treten aus Protest. So schneiden ihnen die Messer unausweichlich ins Fleisch, was zu blutigen Wunden führt. Angoras haben sehr empfindliche Fußsohlen, was ein Leben in Käfigen auf Maschendraht zur absoluten Qual macht und häufig zu Geschwulsten an den Füßen führt. Da die männlichen Angora-Kaninchen nur etwa 75 bis 80 Prozent der Wollausbeute von weiblichen haben, werden sie auf vielen Farmen gleich nach der Geburt getötet.(20)

Der Markt für Alpaka explodierte in den 80er Jahren, als südamerikanische Alpakas und Lamas weltweit an Unternehmer vermarktet wurden, die die Vision von einer guten Investition in den Markt für ein Luxusmaterial hatten. Die stürmische Begeisterung ist abgeklungen, aber das Züchten geht noch immer weiter, und ungewollte Tiere werden jetzt regelmäßig auf Auktionen versteigert. Lama-Gnadenhöfe und Rettungsaktionen sind in dem Zuchtwahn immer häufiger geworden, um der wachsenden Zahl an missbrauchten, vernachlässigten Tieren nachzukommen.

"Sündenböcke" für die Natur Die Wollindustrie begeht außerdem "kollateralen Schaden" an Natur und Wildtieren. Die australische Regierung genehmigte das Abschlachten von mehr als 6 Millionen Känguruhs pro Jahr.(21) Zwar gibt es Gesetze, die die Tötung von Känguruhs regeln, aber es gibt immer noch ernste Probleme mit "Wochenendjägern", Schießwütigen ohne Lizenz, die Känguruhs häufig als "Plage" ansehen und keinerlei Gefühl für ihr Leiden aufbringen. Auf ihrem eigenen Grund und Boden können Landbesitzer mit den Känguruhs machen, was sie wollen, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Die bevorzugte Methode, Känguruhbabies zu töten, deren Mütter man abgeschlachtet hat, ist, nach Regierungsvorgabe, das Enthaupten oder ein "Schlag, um das Gehirn zu zerstören".(22)

In den USA stellt man Koyoten nach, weil sie sich von Schafen und anderen Herdentieren ernähren. Daher werden alljährlich Millionen von ihnen durch Rancher und die Bundesregierung abgeschlachtet.

Es gibt Alternativen Schafwolle verzeichnet seit 1990 einen stetigen Rückgang, sowohl was Preis wie Nachfrage angeht, wobei die einstige fast vollständige Dominanz der Australier über den Weltmarkt in einem Jahrzehnt um etwa 35 Prozent gesunken ist.(23) Die US-amerikanische Regierung versucht nach wie vor, die heimische Wollindustrie mit Millionen Dollar an Bundeszuschüssen und -darlehen nach oben zu bringen.(24)

Viele Menschen, die allergisch gegen Wollkleidung und -decken sind, benutzen bereits alternative Materialien wie Baumwolle, Baumwollflanell, Polyestervlies, synthetisches Shearling und andere tierfreundliche Fasern. Tencel - das atmungsaktiv, haltbar und biologisch abbaubar ist - ist eines der neuesten tierfreundlichen Materialien als Ersatz für Wolle. Polartec Wind Pro - das im wesentlichen aus recycleten Plastikflaschen gemacht wird - ist ein hochdichtes Vlies mit viermal größerem Windwiderstand als Wolle, das außerdem Feuchtigkeit abweist.(25)

Literaturnachweis

  1. Priscilla A. Gibson-Roberts, "Scandinavian Sheep," Knitters Magazine, 2000.
  2. "Agriculture: The Wool Industry," Australian Bureau of Statistics, 22 Jan. 2002.
  3. The Vegan Society, Ltd., "Wool," Oxford, England, 1999.
  4. Christine Townend, Pulling the Wool: A New Look at the Australian Wool Industry (Sydney: Hale & Iremonger Pty. Limited, 1985) 23.
  5. Justin Read, "The Effect of Ewe Iodine Supplementation on Perinatal Lamb Mortality," Meat New Zealand, 18 Dec. 1998.
  6. The Vegan Society.
  7. "Australia Investigates Live Sheep Export Deaths," Reuters, 3 Sep. 2002.
  8. "Long Distance Transport of Live Farm Animals," Compassion in World Farming, Jul. 2002.
  9. Ibid.
  10. Albert Jan Maat, Commission Report, Committee on Agriculture and Rural Development, 3 Sep. 2001.
  11. Reuters, op. cit.
  12. Susan Saulny, "Shawls Sold at Charity Event: So Soft and So Illegal," The New York Times, 3 Jan. 2001.
  13. Lucy Chubb, "Shahtoosh Seizures Shed Light on Plight of Tibet Antelope," Environmental News Network, 17 Apr. 2000.
  14. Saulny.
  15. Chubb.
  16. "Fabled Kashmiri 'Shatoosh' Shawls Survive Ban," Kashmir Media Service, 13 Jan. 2003.
  17. Ehtashamuddin Khan, "230 Kgs. Of Shahtoosh Seized in Delhi," Indo-Asian News Service, 23 Oct. 2001.
  18. Breezy Meadow Cashmere Farm.
  19. "Cashmere Charateristics," Cashmere Producers of America, 2002.
  20. "Rabbit, Rabbit, Rabbit," Turning Point, Jan.-Mar. 1991.
  21. "Commercial Kangaroo Harvest Quotas-2003," Environment Australia, 2003.
  22. Department for Environment and Heritage, "The Macropod Conservation and Management Plan for South Australia," Conservation and Management of Common Kangaroos, Nov. 2002: 49.
  23. Australian Bureau of Statistics.
  24. Philip Brasher, "President Signs, Praises Farm Bill," Associated Press, 13 May 2002.
  25. Sal Ruibal, "Edge of Winter: Beauty, Danger; Layering Clothes Essential for Sudden Temperature Shifts," USA Today, 23 Nov. 2001, p. 8C.

Quelle: peta.de

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