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Wieviel Fleisch erträgt die Welt? - Nahrungsmittel/Menschen/Land

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Fleisch frisst Nahrungsmittel

Fraßen Nutztiere früher einmal für Menschen Unverwertbares, wie z.B. Heu, sind sie heute Nahrungskonkurrenten, da sie mit "Kraftfutter" wie Getreide, Soja, Fischmehl etc. gemästet werden. Derzeit werden 36% der weltweiten Getreideernte an Tiere verfüttert, die weltweite Sojaernte geht zu 70% in die Mägen von Tieren. Auch knapp die Hälfte der Fischfänge und selbst ein Drittel der Milchprodukte gehen diesen Weg. 22 Durch den steigenden Fleischkonsum steigt in den Entwicklungsländern die Verwendung von Getreide als Futter stärker als der Getreideertrag. 23

In Österreich wurden 1999 2,8 Mio. Tonnen Getreide (ca. 63% der Gesamtmenge) als Viehfutter ver(sch)wendet (s. Abb. 4) 24, dieses Verhältnis ist leider auch in der österreichischen Biolandwirtschaft gegeben. 25 Damit nicht genug, importiert Österreich Jahr für Jahr fast 500.000 Tonnen Soja‑Futtermittel und über 10.000 Tonnen Fischmehl. Ein positives Beispiel geben die Biobauern: Für sie ist der Zukauf importierter Futtermittel verboten. 26 Die Umweltbelastungen, die von Futtermitteln ausgehen, müssen natürlich ebenfalls dem Verzehr tierischer Produkte angelastet werden.

Aber nicht nur Lebensmittel, auch Energie wird durch die Tierhaltung vergeudet. Pro Kopf und Tag werden in Österreich 16.000 kcal an Tiere verfüttert, die Fleisch‑, Milch- ­und Eierproduktion bringt jedoch nur 1700 kcal (also etwa 1/9). Denn eine Kalorie Rindfleisch verbraucht 10 Kalorien Getreide ‑ bei Schweinefleisch ist das Verhältnis 1:3, bei Eiern 1:4 und bei Milch 1:5. In der gleichen Größenordnung liegen die Verluste an Nahrungsprotein, bei Rindfleisch betragen sie sogar das 17fache. 27 Die Agrarindustrie betreibt also ein sehr effektive Form der Nahrungsmittelvernichtung, dabei sollte die Lebensmittelproduktion eigentlich einen Gewinn aus der Sonnenenergie darstellen.

Fleisch frisst Menschen


Pro Kopf der Weltbevölkerung stehen 325 kg Getreide zur Verfügung. Von den 560 kg/Kopf in Österreich werden 355 kg an Vieh verfüttert. Würden alle derart verschwenderisch handeln, könnten mit der weltweiten Getreidemenge nicht mehr als 3,5 der insgesamt 6 Milliarden Menschen ernährt werden. 28 Eine weltweite Reduktion der Getreidemenge für Viehfutter um 10% würde die Ernährung von 225 Millionen Menschen sichern. 29

Das Problem des Welthungers ist keines mangelnder Lebensmittel, sondern der Ungerechtigkeit, sowohl innerhalb der armen Länder als auch zwischen armen und reichen Staaten. Aufgrund der immensen Fleischnachfrage verbrauchen die Industriestaaten mit einem Viertel der Weltbevölkerung drei Viertel der gesamten agrarischen Produktion!

Den 800 Millionen hungernden Menschen stehen 1,2 Milliarden Übergewichtige gegenüber!

Der Verzicht auf den jährlichen Import von 50 Millionen Tonnen Futtermittel in der EU allein würde ausreichen, um 600 Millionen Hungernden eine ausreichende Zusatzernährung zukommen zu lassen. Die Kräfte des freien Marktes lassen dies aber nicht zu, weil die "Kaufkraft" der Futtertröge von Huhn, Schwein und Rind bei uns größer ist als die der Hungernden. 30

in Brasilien etwa leben neben den 32 Millionen Unterernährten bereits 50 Millionen Übergewichtige. Mit einer Anbaufläche, die der Größe Indiens entspricht, ist Brasilien einer der weltweit wichtigsten Lebensmittelproduzenten: Die Ernte des Jahres 1996 hätte ausgereicht, um 300 Millionen Menschen zu ernähren. Trotzdem hungern von 160 Millionen Brasilianern 32 Millionen, und die Regierung musste um 3 Milliarden Dollar Nahrungsmittel importieren. 31

Anstatt Nahrungsmittel für die Unterernährten anzubauen, wird in riesigen Mengen 32 Soja für den Export in europäische und nordamerikanische Futtertröge produziert.

In Honduras ist der Fleischkonsum der Bevölkerung zurückgegangen, obwohl sich die Fleischproduktion verdreifacht hat: Das Rindfleisch ging in die Fastfood‑Ketten nach Nordamerika. 33 So kämmt es dazu, dass fast vier Fünftel aller unterernährten Kinder in Ländern mit Nahrungsmittelüberschuss leben. 34

Fleisch frisst Land

Fruchtbares Land ist unsere Lebensbasis. Es ermöglicht mit Hilfe der Sonnenenergie die Produktion von Lebensmitteln, Energiepflanzen sowie Rohstoffen für Kleidung, und vieles mehr. Aber wie "nützen" wir unser Land?

Inklusive der 30% extensivem Grünland dienen mehr als drei Viertel der landwirtschaftlich genutzten Fläche Österreichs der Herstellung tierischer Produkte (s. Abb. 5).

Mit über 700.000 ha wird mehr als die Hälfte des Ackerlandes mit Futtermitteln bebaut. 35 Damit noch nicht genug: Das kleine Österreich besetzt nur für das importierte Futtersoja weitere 250.000 ha im Ausland, ein großer Teil davon liegt in Brasilien 36 ‑ ein enormer Verbrauch an Land, Düngemitteln, Pestiziden und fossiler Energie für unseren hohen Fleisch, Eier und Milchkonsum.

Verteilung Fläche
Abb. 5: Verteilung der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Österreich

Ökonomischer Wahnsinn

Wie ist es möglich, dass trotz der oben beschriebenen immensen Nachteile einer fleischorientierten Gesellschaft der Fleischkonsum weltweit weiterhin ansteigt? Es sind unsere eingefleischten Gewohnheiten, die über die Werbung verstärkt und global exportiert werden. Nicht nur in Österreich entfallen die größten Werbebudgets auf den Nahrungsmittelbereich. 37

Eigentlich sollte ein Wirtschaftszweig, der auf die Vernichtung von Nahrungsmitteln und Ressourcen programmiert ist, ja von selbst zusammenbrechen, dennoch ist die Fleischindustrie ist riesiger Wirtschaftszweig mit sehr viel Geld. Die Unsummen an Fördergeldern, die für viele Unternehmer ein gutes Geschäft sind, kombiniert mit der Abwälzung der Umwelt- und Gesundheitskosten auf die Allgemeinheit (und somit auf alle Steuerzahler) sorgen für eine florierende Fleischindustrie. Dies ist uns von anderen Wirtschaftszweigen (z. B. Automobilindustrie) bereits bestens bekannt.

Würde man die ökologischen Kosten berücksichtigen, müsste sich der Fleischpreis verdoppeln oder verdreifachen. 38 Ganz zu schweigen von den Kosten im Gesundheitswesen: In den USA betragen die Gesundheitsschäden durch Fleischkonsum geschätzte 600 Milliarden Schilling im Jahr. 39


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