Vegan Bake Sale 2014

Vegane Kuchen, Muffins und Torten versüßen den April. Die weltweite Kampagne unterstützt der VEBU bundesweit.

 

Rohköstliches – gesund durchs Leben mit Rohkost und Wildpflanzen

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. Drucken

alt
Was bedeutet "Rohkosternährung" genau? Warum lebt jemand rohköstlich? Was sollte bei der Nahrungsauswahl beachtet werden? Dr. Christine Volm ist diesen Fragen nachgegangen und stellt im Folgenden eine rohköstliche vegane Ernährung und ihre Erfahrungen dazu dar.1

Meine Rohkosterfahrung

Aufgewachsen in einer Gärtnerei – ganz nahe bei den Pflanzen – liebte ich es bereits als Kind, Pflanzen direkt aus der Natur zu essen: Erbsen und Tomaten wanderten damals schon ebenso wie Ehrenpreisblüten und Vogelmiere direkt von der Pflanze frisch gepflückt in meinen Mund. Lange Jahre des „zivilisierten“ Umgangs mit Pflanzen sowie das Studium der Gartenbauwissenschaften folgten. Das wissenschaftliche Lernen über Wildpflanzen, Obst-, Zier- und Gemüsepflanzen, Heilpflanzen, subtropische und tropische Pflanzen, brachte mir die Pflanzen und ihre Funktionen und Geheimnisse noch näher.
Christine Volm
Mit der Umstellung meiner Ernährung auf Rohkost mit Wildpflanzen schloss sich für mich der Kreis:
Die theoretisch erlernten Zusammenhänge ergaben in der Kombination mit der praktischen Erfahrung nun alle einen Sinn. Pflanzenphysiologie und Biochemie wurden anschaulich erfahrbar. Kindheitserinnerungen wurden wieder lebendig, und neben meinem Körper fühlte sich auch meine Seele befriedigt. Die Gesundheit, die ich erfahren durfte, ist eine tägliche Bereicherung meines Lebens.

Ich begleite die Menschen seither bei der Ernährungsumstellung als Coach. Das Wichtigste ist mir dabei zu vermitteln, dass vegane Rohkost auch Spaß macht!
Mein Lieblingszitat von Oscar Wilde dazu: “Die Zukunft gehört denen, die die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden.”

Warum lebt jemand rohköstlich vegan?

In unserem Kulturkreis ist es alles andere als alltäglich, sich ausschließlich von Rohkost zu ernähren. Daher ist diese Frage durchaus berechtigt.

Gesundheit

Die in unseren Breiten übliche Ernährungsform entpuppt sich oft als Ursache vieler sogenannter „Zivilisationskrankheiten“. Daher scheint es für einige an der Zeit zu sein, nach einem neuen Ansatz zu suchen. Je mehr die staatliche Gesundheitsfürsorge abnimmt, desto mehr Menschen stellen sich die Frage: Was kann ich selbst zur Erhaltung meiner Gesundheit beitragen?

Häufig finden Rohköstler_innen – so auch ich – durch gesundheitliche Probleme und ernsthafte Erkrankungen zu dieser Ernährungsweise. Sie erleben eine Verbesserung ihres gesundheitlichen Zustands und behalten zumindest zum Teil die für sie wohltuende Ernährungsform auch nach dem Abklingen von Symptomen oder nach Ausheilung bei. Menschen, die unter Allergien, Haut- und Darmerkrankungen oder anderen Krankheiten litten, findet man in diesen Kreisen häufig. In einer von Semler (2008/1) veröffentlichten Studie zur Untersuchung von Langzeit-Rohköstler_innen, die sich seit mindestens 10 Jahren mit einem Rohkost-Anteil zwischen 70 und 100 % ernährten, gaben 39 % der befragten Teilnehmer_innen an, die Rohkost-Ernährung aus gesundheitlichen Gründen durchzuführen, während 31 % die Leistungssteigerung als Grund nannten.

Ethik

Neben dem gesundheitlichen Aspekt, spielt es für viele Menschen eine wichtige Rolle, dass für die vegane Lebensweise kein Tier getötet werden muss und die Tierhaltung an sich überflüssig wird.

Ökologie

Das Argument der ressourcen- und landschaftsschonenden Gewinnung von Nahrungsmitteln kann auch ein Grund für einen Umstieg sein. Dem Bestreben, einen möglichst kleinen „Ökologischen Fußabdruck“ zu hinterlassen, lässt sich umso besser gerecht werden, je weniger tierische Produkte verzehrt oder genutzt werden.

Vegane Rohkost – Was ist das?

Unter Rohkost ist eine Form der Ernährung zu verstehen, die sich aus Lebensmitteln zusammensetzt, die möglichst naturbelassen, also wenig verarbeitet und kaum erhitzt, verzehrt werden.

Spricht man von „Veganer Rohkost“, sind damit vorwiegend Obst und Gemüse gemeint, die höchstens auf Temperaturen um die 40 °C erwärmt werden. Ergänzend werden Nüsse, Pilze, Sprossen, Trockenobst oder getrocknetes Gemüse und essbare Wildpflanzen gegessen.

Was sollte bei der Nahrungsauswahl beachtet werden?

Wildpflanzen sind reich an Inhaltsstoffen, dadurch sind sie den Kulturpflanzen oft überlegen und gehören zu einer gesunden Ernährung dazu. Sie zeichnen sich nicht nur durch einen höheren Gehalt an Mineralstoffen, sondern auch durch einen höheren Gehalt an Eiweiß, Ballaststoffen, Vitaminen und Sekundären Pflanzeninhaltsstoffen aus.

Im direkten Vergleich bestimmter Wildpflanzenarten mit Gemüse oder Salat sind die Unterschiede im Gehalt an einzelnen Inhaltsstoffen noch eindrucksvoller. So enthält die Vogelmiere über 10-mal soviel Vitamin C wie der Endiviensalat, die Brennnessel 30-mal soviel. Auch der Gehalt an Eisen in der Vogelmiere bleibt vom Gemüse unerreicht. Das Franzosenkraut bringt es sogar auf mehr als die dreifache Menge vom Spinat.

Ich empfehle für Einsteiger_innen unter anderem Lindenblätter, Vogelmiere, Brennnesseln, Giersch, Löwenzahn und für den Winter Brombeerblätter.
Wer sich nicht mit Wildpflanzen auskennt, sollte aber unbedingt einen Kurs machen oder sich Hilfe bei erfahrenen Wildpflanzenkenner_innen suchen, denn es gibt auch Pflanzen die giftig sind.

Schritt für Schritt zum Rohköstler?

Bei der Ernährungsumstellung gibt es verschiedene Wege, die beschritten werden können. Die einen versuchen es Schritt für Schritt und ersetzen eine Mahlzeit nach der anderen durch eine Rohkost-Mahlzeit, andere wiederum fasten eine Zeit lang und stellen danach komplett auf Rohkost um. Auf jeden Fall sollten Sie sich vorher gut belesen und sich einen Coach an ihre Seite holen.

Rezept

Steinpilz-Carpaccio mit Sellerie-Paprika-Püree und Feuerwerk2

(siehe Bild oben3)
für 4 Personen

Zutaten:

  • 600 g Steinpilze, möglichst groß und unbeschädigt
für das Sellerie-Paprika-Püree:
  • 2 Avocados
  • 2 gelbe Paprika
  • 8 Stangen vom Stauden-Sellerie
  • 4 Datteln 'Deglet Nour‘
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • 8 EL Zitronensaft
  • Wasser nach Bedarf
für das Feuerwerk:
  • 25 Hagebutten
  • 25 Kornelkirschen
  • 4 cm Chilischote ohne Kerne
  • 16 Ringelblumen-Blüten

Zubereitung:

Die Steinpilze sauber putzen. Falls der Schwamm auf der Hutunterseite nicht zu weich ist, kann er belassen werden, sonst entfernen. Pilze in möglichst dünne, maximal 0,5 cm dicke Scheiben schneiden und auf Tellern auslegen.
Für das Sellerie-Paprika-Püree Avocados entkernen und schälen, Paprika putzen und in grobe Stücke schneiden, Sellerie-Stangen von groben Fasern befreien und in Stücke schneiden, Datteln entsteinen, große Stiele von der Petersilie entfernen und alles zusammen mit Zitronensaft und Wasser nach Bedarf zu einem etwas gröberen Püree verarbeiten. Dieses zu Füßen der Pilze anrichten.
Von den Kernen befreite Hagebutten und entkernte Kornelkirschen mit der Chilischote kleinhacken, sodass ein grobes Relish (Würzsauce) daraus wird. Mit einem Löffel zu den Pilzen setzen. Mit den Zungenblüten aus den Ringelblumen-Blüten dekorieren.
Nach Geschmack Meersalz und Walnussöl zugeben.


Autorin: Dr. Christine Volm


Seminare, Coaching, Wildpflanzenführungen, Vorträge bei

Dr. Christine Volm
Wurmbergstr. 27
D-71063 Sindelfingen
Tel. 07031/811954
www.christine-volm.de
http://tine-taufrisch.blogspot.com



Infostand auf RohvolutionDieser Artikel entstand aufgrund der "Rohvolution", der internationalen Vitalkostmesse, in Speyer. Wir würden uns sehr über Ihren Besuch am VEBU-Infostand freuen. Außerdem wäre es schön, Sie im Februar bei der "VeggieWorld - Der Messe für nachhaltiges Genießen" (11.-13.02.2011) begrüßen zu dürfen.


Anmerkung der Redaktion

Eine reine Rohkost-Ernährung wird seitens der American Dietetic Association (ADA) nicht empfohlen, insbesondere bei Risikogruppen mit erhöhtem Nährstoffbedarf wie Schwangere, Stillende, Kinder und ältere Menschen. Die Ergebnisse der "Gießener Rohkost-Studie" zeigten außerdem, dass es bei sehr einseitigen Rohkostformen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann.4


Quellen/Literatur:

1 Der Text enthält Auszüge aus: Volm, Christine: Rohköstliches – gesund durchs Leben mit Rohkost und Wildpflanzen, Ulmer Verlag, 2010
2 Rezept aus 'Rohköstliches', Seite 105 © Dr. Christine Volm
3 Bild entnommen aus 'Rohköstliches', Seite 105 © Maximilian Ludwig
4 Semler, E. (2008): Rohkosternährung. Eine Untersuchung von Langzeitrohköstlern, Ernährungs Umschau, S. 280-289, www.academia-diaetetica.de (PDF)

Inhalt teilen:
Facebook 4 Google 0 Twitter 0 Email